Mit dem Tagebuch schreiben beginnen - 9 Tipps für deinen schriftlichen Begleiter



In diesem Artikel möchte ich nicht nur mit Vorurteilen und Falschannahmen aufräumen, sondern dir auch Tipps an die Hand geben, wie du selbst mit dem Journaling beginnen kannst.



1. Die wichtigste Regel fürs Tagebuch lautet ...


...das es keine Regeln gibt! Beim Führen eines Journals gibt es weder ein richtig, noch ein falsch. Du musst weder auf eine bestimmte Art, noch auf eine spezielle Weise schreiben. Grammatik, Komma- und Zeichensetzung sind zweitrangig.


In deinen Einträgen darfst du aufhören, auslassen, streifen, kritzeln, markieren, Groß- oder kleinschreiben so viel du möchtest. Du musst weder eine Seite, noch zehn füllen. Du kannst Listen genauso schreiben wie seitenlange Abhandlungen über dein Innenleben. Täglich, wöchentlich, monatlich, immer an Vollmond oder auch nur dann, wenn du Lust hast.


Dein Tagebuch muss weder lesbar, noch für andere interessant sein. Schreib mit Sauklaue oder in Schönschrift, mit Fehlern oder ohne. Es spielt keine Rolle.




2. Schreibe ein Datum über jeden deiner Einträge.


Das ist ein Tipp, keine Regel. Doch wenn du deine Einträge datierst, fällt es dir zu einem späteren Zeitpunkt leichter, sie zuzuordnen und in einen zeitlichen Zusammenhang zu bringen.




3. Schreib so, wie du es willst.


Es macht keinen Unterschied, wo oder wie du beginnst: Wichtig ist nur, dass du überhaupt startest. Schreib das Datum, beantworte eine Frage, schreibe wie du dich fühlst oder einfach nur ein Wort: Lass deine Wörter fließen. Such nicht nach perfekten Metaphern oder Vergleichen, warte nicht auf den passendsten Anfang: schreib einfach.


Mach das, was sich gut anfühlt und lass weg, was nicht für dich selbst passt. Du darfst Listen und Dialoge schreiben, und Gedichte beginnen, die in einer Aufzählung über die hundert wichtigsten Liebesszenen enden. Du darfst all das in deinem Tagebuch lassen, was du möchtest.


Erlaub dir, du selbst zu sein. Und erlaub dir auch, dich zu verändern, anzupassen, auszuprobieren.




4. Schreibe die Wahrheit.


Dein Journal sollte dein privater Raum sein, in dem du dich nicht verstellen musst. Deshalb belüg dich nicht selbst, schreib dir Dinge nicht schön – sondern so, wie sie wirklich sind und sich anfühlen. Du bist depressiv oder leidest unter einer traumatischen Erfahrung: Schreib darüber, wenn dir danach ist. Hier ist niemand, der dich bewertet oder kritisiert. Es ist dein ganz eigener, ganz persönlicher Bereich, in dem du sein kannst, wie du bist.




5. Benenne deine Gefühle und Gedanken.


Gefühle gehören zu dir. Sie sind menschlich. Du musst sie nicht schön reden oder glätten – lass sie raus, benenn und erkläre sie. Schreib, warum du wütend bist. Berichte darüber, warum dir etwas Angst macht. Halte fest, was dich wirklich beschäftigt.


Denn nur, wenn du das, was in dir vorgeht benennst und einen Raum schaffst, an dem Gefühle sein können, gibst du dir selbst die Chance, anders mit ihnen umzugehen. Denn Gefühle sind nicht automatisch destruktiv oder negativ. Sie auszusprechen und damit anzuerkennen, kann der erste Schritt sein, um ihre starke Energie in etwas Positives und Gesundes zu verwandeln.




6. Finde dein Wohlfühl-Pensum.


Kathleen Adams schreibt in Journal to the Self* –, dass sie mindestens dreimal die Woche für je dreißig Minuten Tagebuch schreiben muss, damit ihr Leben nicht aus der Balance gerät. Unterschreitet sie ihr persönliches Minimum, gerät die Kommunikation mit ihrem Partner durcheinander, sie schläft schlechter und fühlt sich allgemein unruhiger und zielloser.


Du musst nicht wie Kathleen sein – doch jeder Mensch hat sein ganz eigenes Wohlfühlpensum. Vielleicht reicht es dir, einmal im Monat ein paar Gedanken festzuhalten, vielleicht brauchst du dein Tagebuch täglich oder in bestimmten Phasen deines Lebens stärker als in anderen: Wichtig ist, dass du dich wohlfühlst.


Schreib sooft und soviel, wie es sich für dich richtig anfühlt – ganz egal, ob andere es anders machen als du oder nicht.




7. Führe ein Tagebuch oder auch fünf.


Es gibt ganz unterschiedliche Arten von Tagebüchern. Tagebücher, für deinen Alltag, welche für bestimmte Situationen in deinem Leben. Vielleicht bist du Drogen- oder Alkoholabhängig oder versuchst, eine Trennung zu verarbeiten: Dann kann es helfen, deine Gedanken und Gefühle gesondert und für sich festzuhalten. Vielleicht möchtest du ein seperates Dankbarkeits-Tagebuch oder eine Bucket List führen – oder aber du hast keine Lust, Gedanken und Gefühle zu separieren: Dann tu es nicht.


Auch hier gilt: Tu das, was sich für dich stimmig anfühlt – nicht mehr, nicht weniger.




8. Finde einen privaten Platz für dein Tagebuch.


Ein Tagebuch ist privat – es enthält deine intimsten Gedanken und Gefühle, deine tiefsten Ängste und deine stärksten Sehnsüchte. Deshalb gehört es niemals in die Hände von anderen – außer, du möchtest, dass jemand es liest (beispielsweise im Rahmen einer Therapie).


Um wirklich unsere innersten Gedanken darinnen festzuhalten brauchen viele Menschen die Gewissheit, dass niemand zufällig darinnen lesen kann. Manche bewahren ihre Tagebücher deshalb immer in ihrer Nähe auf, andere finden ungewöhnliche Orte: Abschließbar oder unscheinbar.


Überleg dir, wo du dein Tagebuch lassen kannst, wo es sicher ist.



9. Botschaft für Andere.


Wenn es dir hilft, verfasse doch auf der ersten Seite deines Tagebuchs etwas für Andere, falls sie es doch in die Hände bekommen. Erinnere den Leser daran, dass es deine Gedanken und Gefühle sind, die dort drinnen zu finden sind und bitte dein Tagebuch zurückzulegen.