Selbsthilfeforum – 6 Gründe für die virtuelle Selbsthilfegruppe im Netz

Menschen, die sich in einer Krise befinden, mit ihrem Alltag oder den Facetten seelischer Erkrankungen ringen, wünschen sich nicht selten Austausch. Ein verständlicher Wunsch, denn mit Gleichgesinnten zu sprechen bedeutet, sich weder verstellen, noch erklären zu müssen.


In vielen Städten sind aus diesem Grund Selbsthilfegruppen zu den unterschiedlichsten Themen- und Problemstellungen entstanden. Doch was, wenn keine (passende) Selbsthilfegruppe in deiner Nähe existiert, oder du dir zwar Austausch wünschst, dich jedoch etwas von dem Besuch einer Gruppe abhält?



Hier sind 6 Gründe, warum ein Selbsthilfeforum der richtige Ort für dich sein kann:



1. Anonymität

Vielleicht geht es dir wie mir und du bist in einem kleinen Dorf aufgewachsen, in dem die Leute sowieso immer viel zu viel reden.


Vielleicht wünschst du dir zwar Austausch, hast aber Angst, dass dich jemand erkennen könnte.


Vielleicht hast du einen Beruf, in dem du es dir schlicht nicht erlauben kannst, ein Suchtproblem oder gar Suizidgedanken zu haben.


Was auch dahintersteckt: In einem Internetforum entscheidest du selbst, was du wann, wie und wo von dir preisgibst. Du musst weder etwas zu deinem Wohnort, noch zu deinem Beruf oder über schlüpfrigen Hobbys erzählen.



2. Ortsunabhängigkeit


Ganz egal, ob du dich auf einem Berg in der Antarktis, in einem Hotel in Spanien oder auf dem Sofa deiner Großeltern befindest: Von jedem Ort der Welt, hast du die Möglichkeit, die virtuelle Selbsthilfegruppe zu besuchen. Alles, was du dafür brauchst, ist (mobiles) Internet.



3. Zeitunabhängiger Austausch


Du arbeitest im 3-Schicht-System, pflegst nach der Arbeit einen Angehörigen oder musst deine Familie mit mehreren Jobs über Wasser halten?


In einem Selbsthilfeforum bist du nicht an feste Zeiten, Wochenenden oder Feiertage gebunden. Es spielt keine Rolle, ob du morgens, abends oder bloß jeden dritten Montag im Monat Luft hast:


Du kannst dich rund um die Uhr mit Menschen austauschen, deine Gedanken und Gefühle niederschreiben und damit sooft und solange Entlastung finden, wie du es dir wünschst..



4. Vielfalt


Selbsthilfegruppen sind nicht selten auf klare Thematiken begrenzt: Ehemalige Drogenabhängige, Menschen mit Phobien oder Angehöriger psychisch Kranker treffen sich, um über Süchte, Ängste oder ihre Angehörigen zu sprechen.


Doch was, wenn deine Probleme umfangreicher oder vielfältiger sind? Wenn du zwar depressiv, aber auch essgestört bist ?


Was, wenn du ein Trauma erlitten hast, aber auch mit einem Alkoholiker verheiratet bist und mit seiner Erkrankung nicht zurechtkommst?


In einem Selbsthilfeforum kannst du nicht nur über einen Zwang oder das Verhalten deines Partners sprechen, sondern über all das, was dich beschäftigt. Ob es Probleme bei der Arbeit, Streit mit der besten Freundin oder die Mülltrennung deines Nachbarns ist, spielt keine Rolle. Alles ist erlaubt und alles findet seinen Platz.




5. Dich lokal vernetzen oder online austauschen


Du sehnst dich danach, auch in deinem realen Umfeld Menschen zu haben, die wissen, womit du zu kämpfen hast oder die zumindest verstehen, was in dir vorgeht? Aber gleichzeitig hast du schlechte Erfahrungen gemacht oder brauchst einfach länger, bis genug Vertrauen da ist, um dich öffnen zu können?


In Selbsthilfeforen hast du die Möglichkeit, die Nähe zu Anderen selbst zu bestimmen. Aus virtuellen Bekanntschaften können echte Freundschaften werden, doch du entscheidest selbst, ob euer Kontakt virtuell bleibt oder nicht.


Gleichzeitig hast du die Möglichkeit, dich lokal zu vernetzen und so Menschen in dein Leben zu holen, denen du auf normalem Weg vielleicht niemals begegnet wärst.



6. Schreiben fällt oft leichter als Reden


Scham- und Schuldgefühle, Angst oder Schüchternheit sind nur einige Gründe, warum es Betroffenen schwerfallen kann, sich zu öffnen.


Die Hemmschwelle, das, was uns belastet schreibend zu verbalisieren ist für die Allermeisten niedriger als in einem direkten Gespräch.


Nicht nur, dass wir über unsere Worte nachdenken können, wir haben auch Zeit und Raum, um das, was wir erzählen möchten, zu formulieren.


Niemand unterbricht unsere Gedankengänge, trippelt ungeduldig mit dem Fuß oder verlangt, endlich zum Punkt zu kommen, wenn wir noch gar nicht so weit sind.